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NEUIGKEITEN / BLOG

Seit dem 5. März 2009 ist meine Web-Seite im Internet präsent.

Diese Bekanntmachungen, die in chronologischer Folge zeigen, welche Titel neu ins Netz gestellt werden, haben die Aufgabe, interessierten LeserInnen einführende Hinweise zu geben, wobei die Rubrik, unter welcher die entsprechenden Texte zu finden sind, jeweilen dabeisteht.

Alle Eintragungen zu Neuerscheinungen vor 2013 habe ich gelöscht, ebenso jene philosophischen und historischen Essays, die in meine Spirituelle Philosophie eingeflossen sind.

Seit 2016 schreibe ich auch über Themen, die mich gerade beschäftigen. Das ist sozusagen mein Blog.

Erzählungen als Rahmen des Menschseins

29. Dezember 2017

Wir Menschen leben von Alters her im Rahmen von kulturleitenden Erzählungen. Wenn wir es unreflektiert tun, sind wir in der für uns gültigen Erzählung gefangen.

Früher gab es kollektiv gültige Erzählungen, in die man hineingeboren wurde, zum Beispiel die schriftbesitzenden Religionen. Durch die Aufklärung seit dem 18. Jahrhundert wurde die Autorität dieser Erzählungen immer mehr zersetzt und durch zwei neue abgelöst, die zwar auch kollektive Gültigkeit beanspruchen, jedoch nicht um die Menschen zu beherrschen, sondern um einen verbindlichen Rahmen für die individuelle Freiheit zu schaffen. Damit wurde die frühere normative Gültigkeit der kollektiv verordneten kulturleitenden Erzählungen aufgehoben. - Jetzt ist jeder Mensch berechtigt, seine eigene, für ihn - nicht für die anderen! - gültige Erzählung zu konzipieren. Die zwei Erzählungen, die den Rahmen dafür garantieren, sind die der Menschenrechte und die der Demokratie. Nur diese beiden dürfen kollektive Gültigkeit beanspruchen, alle anderen sind Privatsache ohne Anspruch auf gesellschaftliche Verwirklichung.

Nachtrag zum fünfhundertsten Geburtstag der Reformation: Luther hat keine grundlegend neue Erzählung geschaffen, sondern lediglich im Rahmen des Christentums die Erzählung der Römischen Kirche modifiziert, indem er die Heilige Schrift für die einzige Grundlage des christlichen Glaubens erklärte. Das war damals viel und hat große geschichtliche Folgen gezeitigt. Und es hat ansatzweise ein kritisches Bewusstsein gegenüber der bisher gültigen Auslegung der Schrift begründet, ein Bewusstsein, das zur historisch-kritischen Erforschung des biblischen Textes führte. Diese Forschung ist inzwischen geeignet, das Christentum in das Reich der Fabeln zu schicken.

Jörg Fausers Roman "Rohstoff"

28. Dezember 2017

Habe parallel zu Thomas Manns Buddenbrooks den Roman Rohstoff von Jörg Fauser gelesen. Zwei extrem verschiedene, geradezu unvereinbare Welten! Überaus bürgerlich die eine, anarchisch außenseiterhaft die andere. Freilich liegen auch gut 100 Jahre deutscher Geschichte zwischen den beiden Werken.

Der Lebensstil Fausers, wie er in seinem Roman zum Ausdruck kommt, erinnert mich an die Autobiografie Uschi Obermaiers, die ich vor Jahren las. Fauser ist Jahrgang 1944, die Obermaier 1946. Beide kamen mit der Kommune I der 1968er-Bewegung in Berlin in Kontakt und lernten sie von innen kennen. Die beiden sind aber auch wieder sehr unterschiedliche Charaktere. Das ihnen Gemeinsame ist der Erlebnishunger, der sie umhertrieb und der bei Fauser in Literatur umgesetzt wurde. - Worum ging es? Rauschgift, Sex, ungebundenes Leben, Umherreisen, äußere Abenteuer. - Fauser starb schon mit 43, die Obermaier dagegen ließ sich nach dem Tod Bockhorns, ihres Ehemanns, als Schmuckdesignerin in Kalifornien nieder, wo sie nun schon seit Jahrzehnten lebt. Uschi, in ihrer Jugend auch als Model tätig, war die Sex-Ikone der deutscher 1968er.

Sowohl Fauser als auch die Obermaier lebten kulturell vor dem Hintergrund der Pop-Musik und Pop-Kultur. Sie sind typische, wenn auch exzentrische Erscheinungen der westlichen Gesellschaft und Zivilisation. Sie hatten keine nennenswerte Beziehung zur großen Kulturtradition, waren insofern entwurzelt und warfen das Überlieferte, soweit sie überhaupt mit ihm in Berührung kamen, über Bord. Sie verloren sich im Tingeltangel des äußeren Lebens, ohne mehr zu wollen als das, was ihre Subjektivität ihnen gerade vorgaukelte. - Nun, es handelt sich um eine Stufe auf dem Erfahrungsweg des Menschseins, um die Stufe der Selbstvergessenheit, die noch nicht für die wirklich große und kreative Dimension des Menschenwesens erwacht ist. - Darin stimmen sie trotz der radikalen äußeren Verschiedenheit mit den Figuren in den Buddenbrooks weitgehend überein.

Inwiefern die Obermaier nach ihrer wilden Jugend mit Bockhorn in Kalifornien eine innere Entwicklung durchgemacht hat, weiß ich nicht.

Ich las nicht nur Fausers Roman, sondern auch das hinten abgedruckte Interview mit Helmut Karasek sowie den Bericht von Fausers Lektorin. - Fauser ist ein echtes Talent und versteht es, Lebenswirklichkeit rüberzubringen. Im Laufe der Lektüre gewann ich den Autor immer lieber, obwohl er mir thematisch nichts Interessantes vermittelte. Wäre er nicht schon mit 43 gestorben, dann hätte man gewiss noch Bemerkenswertes aus seiner Feder erwarten dürfen. Weil er trotz Linksverdacht ideologisch nicht festgelegt war, hätte er wahrscheinlich weitere Lebensfelder entdeckt. Jedenfalls bin ich für diese Lektüre dankbar.

Das Weihnachtsgedicht meiner Kindheit

18. Dezember 2017

Heute kaufte ich im Drogeriemarkt Müller unter anderem Weihnachtskarten. Plötzlich stieß ich auf eine Karte, die auf blauem Grund ein Weihnachtsgedicht enthält. Als ich die ersten Zeilen las, wurde ich schlagartig in meine Kindheit versetzt. - Mama besaß nämlich ein sehr schönes, großformatiges Lesebuch zu Weihnachten mit Goldprägung und Goldschnitt. In diesem Buch stand das heute wiederentdeckte Gedicht, das ich mit etwa acht Jahren auswendig vor dem illuminierten Weihnachtsbaum angesichts meiner Eltern, meines kleinen Bruders sowie Onkel Helmuts (des Bruders von Mama) und seiner Ehefrau Hélène, meiner Patentante, aufsagen musste. Hier die erste der beiden Strophen:

Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen

steigst du feierlich herauf,

o, so geh in unsern Herzen,

Stern des Lebens, geh uns auf!

Ich kann nicht sagen, wie tief mich die Wiederbegegnung mit dem sozusagen verschollenen Gedicht meiner Kindheit berührte, und Mama, die mir die Verse auswendig zu lernen half, war ganz in das sehnsüchtige Gefühl eingeschlossen, mit dem ich in jene ferne Zeit zurücktauchte. Ich höre das leise Rufen jener unbekümmerten Tage mitsamt den Menschen, die mich damals umgaben. - Wie rätselhaft doch das Leben ist! Einmal mehr wird mir bewusst, wie wenig ich von mir weiß.

Vier Frauen - Abenteuer in Parallelwelten

02. Dezember 2017

Der soeben erschienene Band mit vier Erzählungen ist vier sehr unterschiedlichen, auf verschiedenen Planeten lebenden jungen Frauen gewidmet. Diese Erzählungen, die von einem interdimensional forschenden Magier berichtet werden, haben eine ungewöhnliche Vorgeschichte.
Näheres dazu findet sich unter der Rubrik "Belletristik - Erzählungen".

E.T.A. Hoffmanns "Sandmann"

28. November 2017

Erst im Laufe der Lektüre wurde mir klar, dass ich den Sandmann schon einmal gelesen habe. Die in dieser Erzählung zum Ausdruck kommende Schauerromantik lässt mich allerdings ebensowenig erschauern, als mich Spalanzanis/Coppelius' Puppe Olimpia aus der Fassung brächte. (Ich gehöre eben dem digitalen Zeitalter mit seinem Roboterwesen an ...) Ich blicke also nicht in einen durch Nathanael offenbarten menschlichen Abgrund, sondern gleichsam in das Räderwerk eines literarischen Budenzaubers zur Belustigung des Publikums. Die eindringlich geschilderte, geheimnisvolle Figur des Coppelius wäre rasch entzaubert, wenn sie vollmenschliche Gestalt gewinnen müsste und nicht nur als phantasmagorisches Gebilde erschiene. Bezeichnend dafür ist u.a. die Schluss-Szene, als Coppelius nach einer (für Hoffmann typischen) vagen Andeutung (der kleine graue, sich nähernde Busch) unter dem Turm erscheint, von dem sich Nathanael zu Tode stürzen wird, um danach gleich wieder zu verschwinden. Coppelius ist lediglich die als Figur verkleidete Regiehand des Autors.

Der Sandmann ist gut konstruiert, doch fehlt ihm die echte Glaubwürdigkeit. Er ist eben Unterhaltung!

Ich habe ja Hoffmanns Archivarius Lindhorst (aus: Der goldene Topf) in meine Erzählungen Vier Frauen bzw. in deren Rahmenhandlung aufgenommen. Ich knüpfe damit bewusst an die Fantasie in den Werken E.T.A. Hoffmanns an, mache aber aus dem Archivarius eine positive Figur, den weisen Altmeister des Spirituellen Rates Mitteleuropas. Mit anderen Worten: Ich transformiere Lindhorst und mit ihm den schauerromantischen Ansatz in eine fantasiegetragene Erzählkunst, die man nur voll verstehen kann, wenn man sie im Licht meiner Spirituellen Philosophie würdigt.

Rilkes "Malte"

26. November 2017

Nach 80 Seiten habe ich Rilkes Malte abgebrochen, weil das meiste, was er mehr oder weniger zusammenhanglos schildert, für sich genommen völlig uninteressant ist. Am berührendsten wirkte die Beschreibung seines Aufenthaltes als Knabe mit seinem Vater auf dem Schloss eines Onkels und das damit verbundene Geschehen im Speisesaal. Wäre diese Sequenz Teil eines Romans, dann könnte sie schlüsselhaft und bedeutungsgeladen sein. Für sich isoliert jedoch bleibt sie ein leeres Versprechen. - Rilke war kein Erzähler, weil er kein handelnder, sondern nur ein Zustände durchlebender Mensch war. So kann man Lyriker sein, aber nicht Romanschriftsteller und schon gar nicht Dramatiker.

Hölderlins "Hyperion"

25. November 2017

Habe Hölderlins Hyperion gelesen. Nach ziemlich gestaltlosen, diffusen Anfängen wird die Erzählung nach und nach konkreter und menschlich nachvollziehbarer. Es gibt viele interessante ÄUßerungen im Einzelnen. Dennoch ist die Lektüre ermüdend, weil sie über das tatsächliche Leben hinwegträumt. Hölderlins pantheistische Sehnsucht nach dem Göttlichen ist ergreifend, aber sie bewährt sich nicht im Ablauf des Plots, der einfach nicht auf den Boden kommt. Die Geschichte berührt, packt jedoch nicht. - Der Bezug zu Griechenland ist aus dem Kontext des damaligen Kulturlebens verständlich, aber nur noch von literaturhistorischem Interesse. - Die Liebesbegegnung mit Diotima enthält viel Schönheit und verrät eine ungewöhnlich zartfühlende Seele.

Natur und Kultur

21. November 2017

Diese Einsichten sind im Zusammenhang mit meinem Buch Vier Frauen - Abenteuer in Parallelwelten entstanden. Es geht um das Verhältnis des Gesamtzusammenhanges und der Einzelexistenz.

In der Natur ist die Einzelexistenz nichts Eigenständiges. Ihr Entstehen, Bestehen und Vergehen gründet nicht in sich, sondern ist nur Durchgangsort für das Walten des Gesamtzusammenhanges. Das Einzelne entsteht aus dem Gesamtzusammenhang, dessen Teil es ist.

In der Kultur verhält es sich genau umgekehrt. Die Einzelwesen (verkörperte Ewige Individuen) schaffen den Gesamtzusammenhang der Kultur. Sie sind dessen Quelle. Er bekommt nur durch sie seinen Sinn und seine Aufgabe.

Die Grenze zwischen Natur und Kultur verläuft mitten durch unsere Existenzen. Das Tierisch-Animalische ist unser Anteil an der Natur. Doch das aus dem je eigenen individuellen Ich-Bin-Wesen entspringende Denken und Erkennen ebenso wie das Sich-Ausdrücken und das in die Welt eingreifende Formen und Gestalten bestimmen unseren Anteil an der Kultur.

Die Natur kennt die menschlichen Individuen nicht und nimmt daher keine Rücksicht auf sie. Alle Kultur ist der Natur abgerungen in einem Kampf von Tag zu Tag. - Doch geht es nicht darum, die Natur zu zerstören, sondern darum, sie uns dienstbar zu machen, wie es schon die Mühle am Bach demonstriert. Wir sollen rücksichtsvoll mit der Natur (auch unserer eigenen) umgehen und sie zugleich zu unseren Gunsten gleichsam überlisten, auf dass sie uns als Kulturwesen diene. Darin besteht die Kunst der Naturbewältigung.

In memoriam Gabriele Pallat (1932-2017)

19. November 2017

Gabriele Pallat, Nichte von Adolf Reichwein, ist Mitte dieses Jahres in Freiburg i.Br. gestorben. Neun Jahre älter als ich, spielte sie während meiner frühen Studentenzeit (Herbst 1966 bis Frühling 1969) eine sehr feine, liebenswerte Rolle als kulturbeflissene platonische Freundin.

In meiner letzten Ottersberger Zeit hatte ich mit ihr noch einmal telefonischen Kontakt. Sie lud mich ein, sie in Freiburg zu besuchen, doch kam es nicht mehr dazu. Ich lernte sie wohl 1966 (oder noch ein bisschen früher?) bei Pelikans in Wettingen kennen. Gabriele war im Verlagsbuchhandel und als Übersetzerin englischsprachiger Autoren tätig, damals im Rahmen des Diogenes-Verlages.

Warum Gabriele mit Inge Pelikan, die ich vom anthroposophischen Zweig in Baden her kannte, befreundet war, erklärt sich vielleicht dadurch, dass Frau Pelikans Vater Buchhändler war. Für Gabriele spielte die Anthroposophie nach meiner Wahrnehmung keine Rolle, aber sie war literarisch und überhaupt kulturell sehr bewandert. Sie war eine hübsche Frau mit vornehmem Gesicht und Wesen, welches freundliches Entgegenkommen mit feiner Zurückhaltung verband.

Wir trafen uns wiederholt in Zürich, mindestens einmal in ihrer Wohnung, deren alte Möbel zu ihr passten. Sie interessierte sich für meine Gedichte, die ich ihr zeigen durfte, und äußerte da und dort feine Kritik. Wir saßen dabei nebeneinander auf ihrem Sofa, und heute verwundere ich mich, dass ich keinen Versuch unternahm, sie - wenigstens zart - zu küssen. Aber so war ich: verträumt und noch nicht ganz auf dieser Erde angekommen.

Einmal nahm sie mich zu einer gut besuchten Autorenlesung von Walter Diggelmann mit. Es war interessant, indes nicht mein Fall. Am Schluss kam der Autor Dieter Wellershoff vorbei, begrüßte Gabriele und fragte sie mit Blick auf mich: "Wo hast du denn den aufgegabelt?" - Ein andermal lud sie mich zum Essen ein: Nasigoreng, ein indonesisches Gericht. Ich weiß leider nur noch, dass es ein schöner Abend war. - Im Niederdorf sahen wir uns gemeinsam einen französischen Liebesfilm an. Ich habe vergessen, wie unsere Diskussion darüber verlief.

Aus diesen verschiedenen Anlässen ersehe ich, dass sie mich sehr gern mochte, und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Jedenfalls bin ich Gabriele für die wertvollen Begegnungen und feinen menschlichen Berührungen dankbar. - Als im Sommer 1969 Gisela in mein Leben trat, endete der Kontakt mit Gabriele. Vermutlich hat sie über Frau Pelikan von meiner Beziehung erfahren.

Giselas 85. Geburtstag

04. November 2017

Nach umsichtigen Vorbereitungen haben wir gestern Giselas 85. Geburtstag gefeiert. Es begann wie schon vor fünf Jahren (anlässlich der Feier zu ihrem 80. Geburtstag) in unserer Wohnung ab 16 Uhr. Hier kamen die Hälfte der 22 geladenen Gäste, die zugesagt hatten. Mit Christines Hilfe verpflegten und umsorgten wir sie gut, während sich interessante Gespräche entwickelten, die Gisela die Möglichkeit gaben, einige Episoden aus ihrm Leben zu erzählen.

19 Uhr begann das Fest zu Ehren meiner Gemahlin zunächst im Foyer des Romantik-Hotels Johanniter Kreuz in Andelshofen mit Saft und Sekt. Zuerst spielte Wilko auf der Querflöte ein Stück von Händel und dann die Air aus einer Orchestersuite von Bach. Danach las ich einen von mir vorbereiteten Text mit Aphorismen zum Thema Das Alter im Vergleich mit der Jugend. Beides kam gut an.

Nun ging's in den für uns rservierten und sehr hübsch arrangierten Saal zum opulenten Dinner mit Buffet, gegliedert in drei Gänge: 1. Reichhaltiges kaltes Buffet mit vielerlei Fleisch und Salaten, 2. Reichhaltiges Buffet mit warmen Fleischzubereitungen und verschiedenem Gemüse, mit Spätzle, Kroketten usw., 3. Buffet mit vier verschiedenen Nachtischen. - Getränke nach Bedarf.

Dazwischen las Frau Göbel eine Passage aus Giselas Buch Eros zu Christos, das sie sehr liebt. Und Waltraud, eine Nichte Giselas, hielt eine Ansprache, worin sie Gisela als Vorbild für sich selbst in ihrer Eigenschaft als Theatermacherin rühmte. Sie würdigte auch Giselas Eros zu Christos.

Zwischen dem zweiten und dem dritten Gang zeigte Wilko, der Ehemann von Giselas Nichte Christine, eine Fotoschau mit über 90 Aufnahmen von Gisela und ihrer Familie, ferner mit Bildern von Giselas Plastiken und Fotos von ihren Schauspielrollen. Sehr berührend waren Passagen aus Rezensionen zu einigen ihrer Rollen. Hervorragendes Lob von Theaterkritikern! Auch Prof. Mennekes' Lobesworte über Eros zu Christos hat er vorgetragen. Dazwischen kam Gisela selbst wiederholt zu Wort, um das eine und andere zu verdeutlichen.

In der Fotoschau wurden auch Bilder von Teilnehmern am Bankett gezeigt, von Giselas Geschwistern und Halbgeschwistern, von den Kindern Margrits mit ihren Partnern und von den langjährigen Künstler-Freundinnen Annette Booß (Bildhauerin) und Brigitte Mohn (Malerin). - Der ganze Abend war nie langweilig oder überladen, alle fühlten sich bestens unterhalten.

Es war ein rundum gelungenes Fest. Um Mitternacht fuhr ich mit meinem Giselchen glücklich nach Hause. - Das Personal war übrigens sehr zuvorkommend, und der Chef, Herr Liebig, der auch persönlich vorbeischaute, hat nach einhelligem Urteil wieder einmal hervorragend gekocht.

Deutsche Leitkultur?

03. September 2017

Immer wieder lebt die Diskussion um die sogenannte Leitkultur in Deutschland auf. Erschreckend ist wahrzunehmen, wie unqualifiziert die Antworten auf diese Frage ausfallen. Hiermit seien einige Kriterien zu diesem Thema zusammengestellt.

Zuerst gilt es klarzustellen, was nicht spezifisch deutsch ist. Dazu gehören das gemeinsame europäische Erbe der griechisch-römischen Antike und des Christentums in Verbindung mit der jüdischen Religion; weiter gehören seit dem 18. Jahrhundert dazu die Aufklärung mit ihrer kritischen Philosophie, mit der Menschenrechts- und Demokratiebewegung, ferner der neuzeitliche Materialismus, die moderne Natur- und Kulturwissenschaft, der Kapitalismus und der Kommunismus, die Technisch-Industrielle Revolution, die vom Westen ausgehende moderne Massenkultur, die digitale Revolution mit Internet, Email, Smartphone, sozialen Medien und die Herausforderung durch die Künstliche Intelligenz mit ihren algorithmischen Programmen und dem Roberterwesen.

Spezifisch deutsch und somit Teil der deutschen Leitkultur sind folgende Grundzüge:

1. Die Lage in der Mitte Europas, was Verpflichtungen nach West und Ost, nach Süd und Nord mit sich bringt. Deutschland ist durch seine geografische Lage dazu aufgerufen, in diesem Sinn eine Mittlerrolle zu spielen und auf Ausgleich zwischen politischen Gegensätzen hinzuarbeiten. Eine einseitige Westausrichtung ist gegen die deutschen Interessen.

2. Der für das Germanentum bis ins Rechtliche hinein typische Hang zum Föderalismus bis hin zum Partikularismus. Das zeigt sich an den unterschiedlichen, von Dialekten geprägten Sprachlandschaften und an der Tatsache, dass der deutsche Staat nicht alle deutsch sprechenden Gebiete umfasst, ferner an der Gliederung der Bundesrepublik in Länder und Stadtstaaten.

3. Die deutsche Sprache, wie sie sich besonders seit Luthers Bibelübersetzung und dann durch die Literatur der Klassik und Romantik herausgebildet hat und Deutschland zu einer führenden Philosophie-, Literatur- und Wissenschaftsnation gemacht hat.

4. Die Reformation, welche den totalen Herrschaftsanspruch der Römischen Kirche gebrochen und den Weg zur Glaubens- und Gewissensfreiheit eröffnet hat.

5. Arbeitsamkeit, Fleiß, Disziplin und Redlichkeit, entwickelt und eingeübt in den freien Reichsstädten mit ihrem Zunftwesen, das heute noch in der Berufsausbildung des Handwerks nachwirkt. Das ist die Grundlage für den weltweiten Erfolg des Markenzeichens made in Germany. - Diese Tugenden wurden schon vom Preußentum, extrem aber vom NS-System missbraucht. - Gefeiert wurden sie von Schillers Lied von der Glocke und Wagners Oper Die Meistersinger.

6. Spezifisch deutsch ist die allmähliche bürgerliche Gleichstellung der Juden und der großartige, ja wohl einzigartige Anteil von Kulturschaffenden jüdischer Herkunft im deutschen Sprachraum, aber leider auch die grauenhafte Verfolgung der Juden durch den Nationalsozialismus. (Antisemitismus ist nichts spezifisch Deutsches, nur die Extremform der Judenverfolgung unter den Nazis.)

7. Das spezifisch deutsche Erbe der Aufklärungszeit wurde von Geistern wie Kant, Lessing, Herder, Goethe, Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt u.a. vermittelt, so namentlich Humanität und Geschichtlichkeit, Toleranz, Freiheit, Weltbürgertum und die Neigung zur Idealisierung des Lebens. - Politisch hat sich diese Strömung vor allem im Versuch der Demokratisierung durch das erste gewählte gesamtdeutsche Parlament in der Frankfurter Paulskirche ausgewirkt. (Der Versuch wurde durch den preußischen Absolutismus gewaltsam beendet.) - Gefeiert wurde das Erbe der Aufklärung in Beethovens 9. Sinfonie mit dem großen Chor, dem Schillers Ode an die Freude als Text zugrundeliegt. (Bekanntlich entstand daraus die Europahymne.)

8. Spezifisch deutsch ist wohl auch eine besondere Art von Kulturliebe, gipfelnd in der Pflege der klassischen Musik und im hohen Ansehen der Philosophie. Gefördert wurde die deutsche Kultur wie auch die Kulturliebe durch den noch aus der Zeit der Fürstenherrschaft stammenden Partikularismus, der im Gegensatz zu anderen Ländern zahlreiche lebendige Kulturzentren hervorgebracht hat. Kleinere Städte wie Weimar, Halle und Meiningen hätten im Rahmen eines zentralistischen Staatsgebildes keine Chance gehabt.

Diese acht Grundzüge in ihrer komplexen Verflechtung mit dem allgemeinen abendländischen Erbe und den allgemein verbreiteten Errungenschaften besonders seit dem 18. Jahrhundert machen das Spezifische der deutschen Leitkultur aus, auch wenn die meisten sich dessen kaum bewusst sind.

Jahreszeiten im Verhältnis zur Ewigkeit

03. September 2017

Unter den vier Jahreszeiten scheint mir der Frühling der Ewigkeit am nächsten zu stehen. Ewiger Frühling, das klingt überzeugend. Ewiger Herbst oder ewiger Winter, das wäre beides makaber. Aber ewiger Frühling mit der ihm eigenen Verheißung, mit dem Sprossen und Blühen, mit der Entfaltung frischer Blätter, - das beinhalter am ehesten das Unabsehbare der Unendlichkeit, das Unerschöpfliche der Ewigkeit. Und ewiger Sommer? Er bringt Erfüllung im Endlichen, er macht satt und ist prall voll, doch fehlt ihm die romantische Verheißung der Unendlichkeit. - Ja: ewiger Frühling, das ist's!

Documenta in Kassel und die Kunst

14. Juni 2017

In der Kulturzeit auf 3sat habe ich Eindrücke von der gegenwärtigen Documenta in Kassel erhalten. Fazit: Es bestätigt sich mir der seit Jahrzehnten anhaltende Trend, dass es immer weniger Bildende Kunst gibt. Mich dünkt darüber hinaus, dass die Kunst in der materialistischen Öde eines großen Teils der westlichen Zivilisation innerlich versiegen muss. Das ist zunächst freilich eine deprimierende Aussicht. Aber es ist vielleicht die unvermeidliche Voraussetzung für die Geburt einer neuen Kunstära.

Überraschung am Geburtstag meines Bruders

19. Mai 2017
Vorgestern, am Geburtstag meines Bruders, fuhren wir zu ihm und Lenka nach Zeiningen Nähe Rheinfelden CH und überbrachten ihm Geschenke. Der Himmel strahlte, es war warm, wir konnten es genießen. - Lenka erzählte von ihrer Rückführung durch Trutz Hardo. Wir bekamen ein köstliches Essen, bestehend aus roten Kartoffeln und wundervollem Spinat aus dem Garten. Danach setzten wir uns auf die gemütliche Terrasse und plauderten entspannt. Irgendwann musste Maximilian, wie er sagte, etwas erledigen und ließ uns vorübergehend mit Lenka allein. Doch auf einmal kam er in Begleitung des jungen amerikanischen Pianisten Corbin, bei dem er Stunden nimmt, zurück. Corbin ist ein feiner, sympathischer Mann, von dem Maximilian mir am Telefon begeistert erzählt hat. Er war bereit, uns auf dem Flügel ein kleines Konzert zu geben. Zuerst spielte er ein Stück von Bach, dann die As-Dur-Polonaise von Chopin. Nach einer Pause mit gemeinsamem Nachtisch spielte er den ersten Satz einer Sonate von Haydn und schließlich die Jeux d'Eau von Ravel, wobei er einen Vergleich mit Liszt brachte. Sehr, sehr schön. Ein besonderes Geschenk meines Bruders!
Auf dem Rückweg unterbrachen wir die Reise in Wettingen, meinem Heimatort, fuhren langsam am ersten und zweiten Elternhaus vorbei zum Friedhof hinauf, wo wir uns davon überzeugten, dass das Grab meiner Eltern aufgehoben ist. Die kleine Zusatzgrabplatte für Müttchens Urne hat Maximilian schön am Rande seiner Terrasse platziert. (Die Urne mit Mamas sterblichen Resten war 2008 Papas Erdbestattungsgrab von 1991 dazugegeben worden.)
Schließlich begaben wir uns hinunter in den Klosterpark, wo wir uns auf einer idyllischen Bank unter Platanen niederließen und ein kleines Abendbrot zu uns nahmen, ehe wir nach Hause fuhren.

Der Tänzer Alexander von Swaine

29. März 2017
Derzeit lese ich mit Gisela die von Ralf Stabel verfasste Biografie des Tänzers Alexander von Swaine (1905-1990), der wohl wie kein anderer Ballett und Ausdruckstanz vereinte und eine einzigartige Erscheinung war. Er wäre berühmter geworden, hätten nicht der Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg in sein Leben hineingepfuscht. Wir sind gerade bei von Swaines 3. Fernostreise in den 1950ern. Anlässlich der 2. Fernostreise von 1939 geriet er in Kriegsgefangenschaft und konnte seine Karriere erst ab Ende der 1940er fortsetzen. - Alexander von Swaine spielte für Gisela kurz eine wichtige Rolle. Sie sah ihn 1951 in Köln, war restlos begeistert und wollte ebenfalls Tänzerin werden. Es gelang ihr, mit ihm ins Gespräch zu kommen und ihn zu beeindrucken. Daher schrieb er an ihren Vater und vermittelte ihr den Kontakt zur russischen Tänzerin Egorowa in Paris. Obwohl sie schon neunzehn war, bestand sie den Test bei Egorowa und begann mit fünf- bis sechsjährigen Kindern eine Grundausbildung im Ballett. Nach sechs Wochen wusste sie, dass dies nicht ihr Weg sein könne. So kam sie zuerst als Bildhauerin an die Kunstakademie in Stuttgart und, weil sie von derselben enttäuscht wurde, danach zur Pantomime, bevor sie dann zur Schauspielausbildung ans Max Reinhardt-Seminar in Wien gelangte. - Gisela hatte wichtige Begegnungen mit mehr als einer prominenten Persönlichkeit, so auch mit Oskar Werner.

Hegel-Lexikon

19. März 2017
Habe nun auch den einleitenden Teil zum Hegel-Lexikon (Hsg. Paul Cobben) durchgearbeitet. In Hegel scheint die systematische abendländische Begriffsakrobatik einen letzten Höhepunkt gefunden zu haben. Das Hegelsche System macht auf mich einen ausgesprochen zwanghaften Eindruck. - Im Vergleich damit ist meine Spirituelle Philosophie ein völlig anderer Ansatz, der mit offenen Strukturen arbeitet und nicht aus Begriffsbildungen Gott und die Welt herauspressen will. - Hegel bietet zwar viel, woran man sich schulen kann, doch ist er nicht wirklich in die Ewigkeit vorgedrungen. Und die Individuen sind bei ihm letzlich nur Vollzugsorgane des über sie hinweggehenden Absoluten.

Proklos-Buch von Beierwaltes

05. März 2017
Die Lektüre des Proklos-Buches von Beierwaltes ist sehr aufschlussreich, weil sie konsequent an die Quellen abendländischen Philosophierens heranführt. Unter dem Titel "Dialektik als Aufstieg" beschreibt der Autor die Rückwendung des Denkens in sich selbst (Selbstreflexion) als Anfang des Philosophierens. Das habe ich getan, und das war die Voraussetzung, um das dreifache Apriori des Denkens zu entdecken. Ich kam zu der Entdeckung, indem ich die drei entscheidenden Fragen stellte. (Welches ist der Inhalt des Denkens? Wer ist der Denkende? Welches ist der Zustand des Denkenden mit seinem Inhalt?) Im Gegensatz dazu geht der entscheidende Anstoß dazu bei Platon von der Mathematik aus. Mathematik als eigentlicher Wegweiser! Nach meiner Auffassung hat das zur Überschätzung der Mathematik geführt und damit zum Geburtsfehler der abendländischen Philosophie, nämlich zur Verabsolutierung des Rationalismus als Grundzug des Philosophierens, wenngleich Aristoteles hier ein Gegengewicht bildete.

Gedanken - Notizen 2004-2010 und 2011-2016

28. Februar 2017

Die Reihe "Gedanken - Notizen" setzt die bisherige Reihe "Fragmente - Aphorismen" fort.
Es handelt sich um Tagebuch-Auszüge, die Einblick in meine Gedanken- und Schreibwerkstatt geben.

Vom Aufstieg ins Lichtkörperdasein (2016)

24. Februar 2017

Es handelt sich um eine prägnante Kurzfassung meiner Gedanken zu diesem Thema.
Siehe: "Philosophie und Kunst / Philosophie und Spiritualität".

Einleitung zu meinem Traumbuch vom 1.5.1962

18. Februar 2017

Dieser Scan ist unter "Philosophie und Kunst / Fragmente - Aphorismen" zu finden. Er zeigt meine Handschrift und meine damaligen Einsichten bezüglich der Träume.

Schmerz und Freude

17. Februar 2017
Schmerz zieht zusammen, macht klein. Freude dehnt aus, macht groß. Schmerz fesselt an das Irdisch-Physische. Freude hebt himmelwärts empor. Schmerz zieht in die Verdunkelung. Freude ist lichtvoll, sonnenhaft.

Rossana - Erzählung zu Fantasy-Bildern

11. Februar 2017

Königin Rossana, die auf dem Planeten Xarilka (im Sternbild des Orion) ein Reich regiert, hat ihren Körper mit Hilfe eines dunklen Magiers unrechtmäßig verjüngt, um ihr sexuelles Verlangen ausleben zu können. - Wird es Witukind, dem Mitglied des Spirituellen Rates Mitteleuropas in Dresden, gelingen, den Magier zu entmachten und Rossana von ihrem falschen Ziel abzubringen?
Siehe unter "Belletristik/Erzählungen - Prosa".

Religion und Esoterik

10. Februar 2017
Mit Blick auf meinen Text "Die Rotkäppchen-Religion", der im Eingangsbereich meines in Arbeit befindlichen Romans "Wege ins Licht" eine Rolle spielen soll, lässt sich wohl etwas Grundsätzliches sagen. - Die Esoterik kann unter anderem eine Spätform der Religion werden. Wenn eine Religion sich voll entfaltet hat, beginnt die Periode des Stillstands, während welcher sie immer äußerlicher und erlebnisärmer gelebt wird. Sie droht schließlich zu zerfallen, und ihre tradierten, dogmatisierten Formen hindern sie daran, sich weiterzuentwickeln. In dieser Phase des immer deutlicheren Verfalls schlägt die Stunde der Esoteriker, die nun außerhalb der herrschenden Autoritäten diese Religion aufgreifen und ihr eine neue Sinntiefe und Sinnfülle andichten. Die theosophische Bewegung hat sich auf diese Weise durch Blavatzky und Verbündete der indischen Religiosität, die Anthroposophie Rudolf Steiners des Christentums bemächtigt. Dass diesen Spekulationen die historische Grundlage fehlt, hat die Textkritik des Neuen und auch des Alten Testaments inzwischen unbestreitbar erwiesen.

Spirituelle Philosophie - Zur Metaphysik des Menschseins

08. Februar 2017

Dieses Buch hat einen Umfang von 537 Seiten und ist Anfang Februar 2017 im Hierophant-Verlag, Heppenheim, als gebundene Paperback-Ausgabe erschienen.
Siehe unter "Philosophie und Kunst / Philosophie und Spiritualität".

Historismus und Utopie im Verhältnis zur Literatur - Essay

26. Januar 2017

Die Literatur ist zugleich die Bewahrerin der Vergangenheit und die Plattform, um Utopien, die in die Zukunft weisen, ins Spiel zu bringen. Ihre Unentbehrlichkeit für beide Optionen wird in diesem Essay thematisiert.
Zu finden unter "Philosophie und Kunst/Gesellschaft und Geschichte".

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