Neuigkeiten

NEUIGKEITEN / BLOG

Seit dem 5. März 2009 ist meine Web-Seite im Internet präsent.

Diese Bekanntmachungen, die in chronologischer Folge zeigen, welche Titel neu ins Netz gestellt werden, haben die Aufgabe, interessierten LeserInnen einführende Hinweise zu geben, wobei die Rubrik, unter welcher die entsprechenden Texte zu finden sind, jeweilen dabeisteht.

Alle Eintragungen zu Neuerscheinungen vor 2013 habe ich gelöscht, ebenso jene philosophischen und historischen Essays, die in meine Spirituelle Philosophie eingeflossen sind.

Seit 2016 schreibe ich auch über Themen, die mich gerade beschäftigen. Das ist sozusagen mein Blog.

Zweierlei Kunstfälschung

30. November 2018

Vor Jahren hat der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, ein großartiger Könner seines Metiers, weltweites Aufsehen erregt, weil er hervorragende Bilder im Stil der bekanntesten Maler unserer Kunsgeschichte erschaffen konnte. Er verdiente damit Millionen, bis der Betrug aufflog und ihn hinter Gitter brachte. Im Interview vom 19.10.2017 schilderte er die Schwierigkeiten beim Hervorbringen eines neuen "echten" Rembrandt-Gemäldes.

Was Beltracchi kann, vermag auch die künstliche Intelligenz. Im Herbst 2016 wurde an der Frankfurter Buchmesse ebenfalls ein neuer "echter" Rembrandt präsentiert. Das Gemälde zeigt einen Mann mit Hut und Bart. Es handelt sich um das verwirklichte Projekt, an dem das Rembrandthuis in Amsterdam, das Mauritiushuis in Den Hag, die Delfter University of Technology, Microsoft und die Werbeagentur J. Walter Thompson beteiligt waren. Das Projekt nennt sich "The Next Rembrandt" und tourt seit 2016 um die Welt. - 148 Millionen Pixel in dreizehn Lagen haben das Gemälde aus einem 3-D-Drucker entstehen lassen. Nötig waren dafür 15 Terabyte an Informationen über die Malweise des alten Meisters.

Quelle dieser Informationen: Holger Volland - Die kreative Macht der Maschinen - Warum Künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken, Beltz Verlag 2018.

Mein Gerichtsurteil: Ich hätte Wolfgang Beltracchi nicht wegen Betrugs verurteilt, sondern ihn freigesprochen und ihm einen Orden verliehen, weil er den kapitalistischen Kunstmarkt in seiner ganzen Kulturfeindlichkeit entlarvt hat. Mein Urteilsspruch als Richter hätte ungefähr gelautet: "Auch wenn der Angeklagte, Wolfgang Beltracchi, Millionen mit seinen Fälschungen im Stil berühmter Maler verdient hat, wird er hiermit freigesprochen. Der Käufer eines Bildes erwirbt dasselbe, weil er ihm große Wertschätzung entgegenbringt. Er bezahlt faktisch, was ihm das Bild wert ist. Einen gesellschaftlich verbindlichen Maßstab für den Wert gibt es nicht und kann es nicht geben. - Wer ein Gemälde nur erwirbt, weil es von einem berühmten Maler stammt, nicht weil es ihm echt gefällt, macht mit Kunstwerken ein Geschäft, macht aus ihnen ein Spekulationsobjekt. Er ist daher selbst schuld, wenn er auf einen Fälscher hereinfällt, und hat kein Recht, das ausgegebene Geld zurückzufordern."

Das Patriarchat im Spiegel von Witzkarten

19. November 2018

Bei Buchhandlungen, Kiosken und Touristenläden findet man verschiedene Arten von Postkarten. Eine besondere Art bilden die Witzkarten. Sie bestehen aus einem Bild und aus einem dazu montierten Text. Hier die Kurzbeschreibungen und die Texte von drei Witzkarten zum Thema des Patriarchats.

Die erste Karte zeigt eine telefonierende, charmant gestylte jüngere Frau unter der Überschrift "Emanzipation". Der Kommentar zur Überschrift lautet: "Das ist jener enorme Fortschritt, der es den Frauen erlaubt, nicht nur Kinder zu haben und den Haushalt zu versorgen, sondern auch noch das nötige Geld für die Familie zu verdienen." (Ron Kritzfeld)

Die zweite Karrte bildet eine hübsche junge Frau beim Spülen und Putzen der Kacheln um den Spülstein ab. Die Überschrift lautet "Die Superfrau". Der Kommentar dazu knapp und bündig: "Sie kocht wie eine Göttin und putzt wie der Teufel!" (Charlotte Seemann)

Das Bild der dritten Karte präsentiert einen Mann im mittleren Alter mit Brille und Glatze. Er hat nur Shorts an und lässt sich gerade im Garten auf einem Liegestuhl nieder. Die Überschrift heißt "Eheglück". Der Kommentar sagt unverblümt: "Die Ehe ist eine Einrichtung, die es dem Mann ermöglicht, ruhig sein Bier zu trinken, während die Frau den Rasen mäht."

So sieht der Alltag der modernen Frau aus, die ihre viel gespriesene Emanzipation lebt, ohne die patriarchalen Grundmuster der Ausbeutung und Unterdrückung in Frage zu stellen. Erst wenn die Frauen sich entschließen, nicht mehr auf patriarchale Weise Erfolg anzustreben, kann eine Gesellschaft entstehen, in der Mitmenschlichkeit und Fürsorglichkeit wichtiger als der patriarchaler Egoismus mit seiner Ellbogenmentalität und Karrieregier sind.

Patriarchat - Matriarchat, Mann - Frau

06. November 2018

Wir machen es uns zu einfach, wenn wir das Patriarchat ausschließlich zur Männersache, das Matriarchat ausschließlich zur Frauensache erklären. Karrierefrauen von heute verwirklichen ganz typische patriarchale Muster, und Männern steht es frei, matriarchale Muster zu leben.

Patriarchat heißt - zumindest heute - nicht Männerherrschaft, sondern Herrschaft des männlicheen Prinzips, nämlich der egoistischen Selbstbehauptung und des Strebens nach Macht über die Mitmenschen. Patriarchat ist immer ein hierarchisch gegliedertes gesellschaftliches Machtsystem, verbunden mit der Ausbeutung der Beherrschten. Heute ist das der Kapitalismus. Dass solche Herrschaft ebenso gut von Frauen wie von Männern ausgeübt werden kann, haben heutige Politikerinnen und Königinnen der Vergangenheit längst bewiesen.

Matriarchat heißt nicht Frauenherrschaft, sondern Herrschaft des weiblichen Prinzips, nämlich der Fürsorglichkeit und Solidarität gegenüber den Mitmenschen. Matriarchat wäre eine vernetzte Gesellschaft, in der es weniger um Befehlshierarchien als um ein friedliches Zusammenleben zur Zufriedenheit aller geht. Das können Männer grundsätzlich ebenso leben wie Frauen. - Auch in patriarchalen Gesellschaften gibt es matriarchale Komponenten, soweit sie die Herrschaft nicht stören, zum Beispiel alles, was als Sozialfürsorge beschrieben werden kann.

Die seit Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreich betriebene politische und wirtschaftliche Emanzipation der Frauen hat nicht zu einem Matriarchat geführt, sondern dazu, dass die Frauen viel mehr als vordem in ihrem Leben das männliche Prinzip verwirklicht haben. Mit all den Fähigkeiten, die sie entwickelt haben, dienen sie jedoch immer noch vorwiegend den patriarchalen Strukturen. - Diese Errungenschaaft kann ein erster Schritt sein, um die immer noch geltende patriarchale Herrschaft zu überwinden. Es geht jetzt um die Einsicht, dass eine fürsorgliche, solidarische Gesellschaft für die weitaus meisten Menschen viel mehr Glück bereithält, als es gegenwärtig möglich ist.

Eine fürsorgliche, solidarische Gesellschaft kann nur verwirklicht werden, wenn sie auf dem Prinzip der Gerechtigkeit beruht. Das ist allerdings nur möglich, wenn wir das ungerechte, ausbeuterische kapitalistische Wirtschaftsrecht in Bezug auf das Geldwesen und das Bodenrecht durch gerechte Konzepte ersetzen. - Siehe dazu meinen "Essay zur Neugestaltung der Gesellschaft" unter der Rubrik "Philosophie und Kunst / Gesellschaft und Geschichte".

Das Licht und der Lichtkörper

31. Oktober 2018

Das Licht in seiner ursprünglichen Reinheit ist die Emanation der Ewigkeit in der Schöpfung. So gesehen, darf der Lichtkörper der Aufgestiegenen auch Ewigkeitskörper genannt werden, weil seine Lichthaftigkeit der Ewigkeit besonders nahe steht.

Die magische Bedeutung des Tagebuchführens

30. Oktober 2018

Es gibt Rituale im Leben, die eine besondere, ja geradezu magische Bedeutung haben. Ein solches Ritual habe ich eben vollzogen, indem ich nach dem Abschluss des XXV. Tagebuchbandes den XXVI. Tagebuchband, beginnend mit der Seite 4243, eröffnet habe. Der Vorgang wird vom Gefühl begleitet, damit beginne ein neues Kapitel in meinem Leben, verbunden mit der Frage, was mir wohl alles widerfahren werde, ehe ich den neuen Band vollgeschrieben haben würde. - Wieviele Tagebuchbände werde ich noch vollschreiben können? Da ich bereits im 78. Lebensjahr stehe, ist diese Frage nicht ganz von der Hand zu weisen.

Die Bedeutung des genannten Rituals gründet außerdem in der faszinierenden, merkwürdigen Tatsache, dass mein Lebensweg in dieser verschriftlichten Form sozusagen unsterblich ist. Es ist das Faszinosum der Literarisierung des menschlichen Daseinsvollzuges und damit der Literatur im weitesten Sinne überhaupt. Und Literatur ist eben mein Thema ...

Zahlreiche Tagebuchbände habe ich (leider?) vernichtet. Sie sind alle einheitlich ausgestattet. Es handelt sich um gebundene linierte Bände im A4-Format von nicht ganz 200 Seiten Umfang. Auf der jeweils ersten Seite steht oben mein Name, Hubert Max Spoerri, in der Mitte in großer Schrift die Nummer und das Titelwort Tagebuch. Unten auf der Seite wird ein persönliches Foto von mir eingeklebt. Es stammt jeweils aus der Zeit, in der die Niederschrift des betreffenden Tagebuchbandes begann. - Ich führe seit 1961 oder 1962 Tagebuch und seit 1962 parallel dazu (allerdings lückenhaft) ein Traumbuch im selben Format.

Ich kann nur jedem empfehlen, Tagebuch zu führen. Wenn man Jahrzehnte später darin liest, begegnet man sich selbst wie einem anderen Menschen, denn an das meiste kann man sich überhaupt nicht erinnern. Wir machen uns in der Regel gar nicht bewusst, wie sehr wir unsere Erinnerungen im Nachhinein manipulieren, und zwar stets aus dem Horizont der Rolle, die wir im Leben gerade spielen. - An das Ursprüngliche heranzukommen, ist, wie die Psychologen wissen, ein delikates Unterfangen. Spürsame Schriftsteller haben das gewusst, weshalb Goethe die Autobiografie seiner Jugend (vor Weimar) "Dichtung und Wahrheit" nannte. Er ließ offen, wie groß der Anteil der Dichtung dabei war. Und Somerset Maugham nannte seine originellen autobiografischen Aufzeichnungen bezeichnenderweise "Die halbe Wahrheit".

Die patriarchale Religion und die Frauen

29. Oktober 2018

Alle herkömmlichen Religionen sind ganz und gar patriarchal geprägt. Sie weisen der Frau nur eine verehrende und in Gehorsam dienende Rolle zu. Schon die Schöpfungsgeschichte im Alten Testament zeigt, dass die Frau lediglich eine Sekundärschöpfung aus einer Rippe des Mannes ist (1 Mos 2,18-25).

Das Neue Testament ist nicht besser, wie die so oft von Malern dargestellte Verkündungsgeschichte (Luk. 1,26-38) unmissverständlich klarstellt. Maria wird nicht gefragt, ob sie ein Kind bekommen möchte. Nein, dies wird einfach patriarchal von oben verfügt. Und schließlich sagt sie zum angeblichen Engel der Verkündung nur: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort." - Wohlverstanden, es handelt sich um eine im 1. Jahrhundert n.Ch. erfundene, typisch patriarchale Geschichte, die deutlich machen soll, dass der angebliche Wille Gottes die Unterwerfung und den Gehorsam der Frau fordert.

In dieser Verkündungsgeschichte, die von gläubigen Christinnen schon immer als etwas besonders Erhebendes verehrt wurde, ist alles beschlossen, was - um eine markante Religionsgemeinschaft als Beispiel zu nehmen - die Römische Kirche zur gesellschaftlichen Stellung der Frau zu sagen hat. Die Frau hat dem Manne zu dienen und ihm Kinder zu gebären, damit seine Familie, sein Stamm, seine Dynastie in "Ehren" weiterbestehen kann.

Die Römische Kirche versüßt diesen wenig erbaulichen Tatbestand mit der Marienverehrung. Diese Frau, die ebenso wie die meisten Frauen ein Kind bekommen hat, wird einfach dadurch zu etwas Besonderem gemacht, dass man behauptet, ihr Kind sei der Sohn Gottes. Sie avanciert zur Gottesmutter. Auch das ist freilich eine erfundene Geschichte.

Die sozusagene Gottesmutter wird auf diese Weise zur Himmelskönigin hochstilisiert, an die man sich als Fürbitterin wenden kann, obwohl im Himmel selbstverständlich nicht Maria, sondern die Firma "Vater & Sohn" regiert. Es handelt sich also um eine reine Männerherrschaft, in die der Sohn nach echt patriarchaler Manier nur deshalb einbezogen wird, weil er sich dem Willen des Vaters, der keinen Widerspruch duldet, bedingungslos unterworfen hat. (Das Verhältnis der beiden ist ein eigenes Thema, ist doch Gottvater im Gegensatz zu irdischen Vätern unsterblich, kann also nicht vom Sohn abgelöst werden. Hiier setzt dann die Trinitätstheologie an.)

Mutter und Säugling bilden zusammen einen Archetyp. Das Kind an der Brust der Mutter ist die einleuchtende Grundlage, auf der ein erhöhender Marienkult sich aufbauen lässt. Dieser weithin mit Inbrunst betriebene Kult um Maria als Gottesmutter mit ihrem Kind führt uns dauernd vor Augen, wozu eine Frau eigentlich da ist, nämlich um Kinder zu bekommen und um als Fürbitterin vor Gott den notleidenden Armen und Schwachen beizustehen. Letzteres ist dringend nötig, weil jedes patriarchale System von Herrschaft und Ausbeutung lebt. In solchen Verhältnissen wird es immer reichlich Arme und Schwache geben. - Dass Maria trotz der Geburt eines Knaben auch noch jungfräulich geblieben sein soll, das gehört zu den zusätzlichen heilsgeschichtlichen Offenbarungen, welche den Katholiken Glaubensprüfungen auferlegen.

Ja, so ist nun mal die patriarchale Welt, und wenn die Frauen das durchschauen und ehrlich sind, müssen sie um ihrer Würde willen aus der Kirche bzw. der patriarchalen Religionsgemeinschaft austreten. Vielleicht aber ist das mit Rücksicht auf immer noch aktuelle patriarchale Verhältnisse nicht opportun ... Wir wollen es den Frauen nicht übel nehmen, solange die Bundesrepublik Deutschland nicht einmal den Mut hat, das vom Hitler-Regime mit dem Vatikan ausgehandelte Konkordat zu kündigen.

Das Patriarchat und die Frauen

28. Oktober 2018

Patriarchat heißt, aus dem Griechischen übersetzt, Herrschaft des (Stamm)vaters, und da jeder Mann grundsätzlich Vater sein kann, im erweiterten Sinn Herrschaft des Mannes. Und worüber herrscht der Stammvater? Natürlich über den Stamm mit all seinen Mitgliedern oder im engeren Sinn über die Familie, bis er stirbt und von einem anderen Mann abgelöst wird.

Und worum geht es im Stamm bzw. in der Familie aus patriarchaler Sicht? Um das Überleben durch Fortpflanzung, um das Zeugen und Heranziehen des männlichen Nachfolgers und um alle damit verbundenen Absicherungen. - Und das ist nur kraft der Autorität und Herrschaft des Mannes, kraft seiner Macht und Kontrolle möglich.

Und wer muss denn kraft der Herrschaft, Macht und Kontrolle des Vaters/des Mannes unterworfen und verfügbar gemacht werden? Selbstverständlich die Frauen, weil ja nur sie Kinder zur Welt bringen können. - Das ist auch der tiefere Grund, warum die Männer, soweit sie in den Mustern des Patriarchats gefangen sind, auf den Körper der Frau fixiert sind. - Und obwohl die Frauen die Nachkommen zur Welt bringen, herrscht im Patriarchat die Erblinie des Mannes, nicht der Frau.

Patriarchale Psychologie sagt: Die Frau liebt den Charakter des Mannes, der Mann dagegen liebt den Körper der Frau. Das ist für die Männer sehr praktisch, weil zwar der Körper, aber nicht der Charakter altert. Deshalb müssen die Frauen für die patriarchalen Bedürfnisse jung und fruchtbar sein, was ja bekanntlich spätestens mit den Wechseljahren endet, doch die Männer können mit Ach und Krach auch noch im fortgeschrittenen Alter Kinder zeugen.

Die gesellschaftliche Entwicklung hat seit dem 20. Jahrhundert zunehmend zur rechtlichen Gleichstellung der Frauen geführt. Allerdings stehen dieser Entwicklung immer noch die in den Männern weiterwirkenden patriarchalen Muster im Weg, wie die me-too-Bewegung verdeutlicht. - Wir sollten uns allerdings vergegenwärtigen, dass die Männer genauso Opfer des Patriarchats wie die Frauen sind, nur auf andere Weise. Und weil das Patriarchat gesellschaftlich seit Jahrtausenden geherrscht hat, gilt es zu erkennen, dass auch die westlichen Demokratien immer noch tief von dessen Strukturen geprägt sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass so viele Frauen, ohne sich dessen bewusst zu sein, auch heute noch patriarchale Muster leben und sie gegebenenfalls sogar verteidigen, besonders in der kapitalistischen Berufswelt. - Doch davon ein andermal mehr.

Jahreszeitliche Abschiedsstimmung

20. Oktober 2018

Die Sonne hat den Nebel noch einmal aufgelöst, aber nicht vollständig. Trotz des wolkenlosen Himmels ist die Atmosphäre voller Dunst, der den Blick in die Ferne verschleiert, und im Wald lauert, bereits sichtbar, der Nebeldämon und wartet auf seine siegreiche Rückkkehr.

Am Tisch der Südterrasse habe ich vorhin noch einmal Tee getrunken, eine Mischung aus Roibosch und Schwarztee Vanille, angereichert mit Honig und Sahne. Die eher kühle Luft veranlasste mich, den Sessel mit Kissen unten und hinten auszupolstern und eine Strickweste anzuziehen. Keine Markise mehr, einfach mit Schildmütze und Sonnenbrille an der Sonne. Gisela gesellte sich, vom Mittagsschlaf kommend, dazu.

Schöne, beschauliche Stimmung, Abschiedsstimmung. "Oma und Opa wärmen sich noch einmal an der Sonne," sagte ich. Wir lachten.

Spätsommerliche Idylle

15. Oktober 2018

Ich sitze unter der Markise auf unserer Südterrasse bei frühsommerlicher Wärme. So etwas hat es, seit wir im Süden sind, noch nie gegeben! Seit April dauert die Terrassensaison. Der Himmel strahlt in makellosem Blau, und das seit Tagen, ja seit Wochen mehr oder weniger.

Zum Mittagessen fuhren wir zum Andreashof über Deisendorf hinauf. Zuerst spazierten wir ans Ende des Hügelvorsprungs, auf dessen Rücken der Hof liegt, und genossen die Aussicht auf die im Dunst liegende Alpenkette vom Glärnisch über den Säntis bis zu den Allgäuer Bergen. Es ist jedesmal ein Genuss.

Dann nahmen wir unter einem großen Sonnenschirm des wunderschönen Gartenlokals zuerst eine schmackhafte Kürbissuppe, danach einen Kuchen mit Sencha-Tee zu uns. Anschließend spazierten wir an der Westflanke der langgestreckten Treibhäuser durch den reichen Kräutergarten und schließlich an der Ostseite durch den großartigen Rosengarten zum Auto zurück.

Während wir hier den ganzen Tag von starkem Verkehrslärm beschallt werden, bietet der nur drei bis vier Kilometer Luftlinie entfernte Andreashof eine äußerst wohltuende Ruhe und Beschaulichkeit, wie wir sie schätzen. Dort ist zum Glück "nichts los", so dass die Innerlichkeit sich ungestört entfalten und sich in ein wahrnehmendes Gespräch mit der Umgebung einlassen kann. - Solche Inseln der Ruhe sind Perlen, und wenn sie auch noch mit Spiritualität verbunden sind (wie dort mit der Anthroposophie), dann umso besser.

Drei Wege erfüllten Lebens

24. September 2018

Es gibt drei Wege, um ein erfülltes Leben zu führen:

1. Der Weg der persönlichen Freundschaft und Liebe. - Das leitende Ideal ist hier die Veredelung des individuellen Menschseins.

2. Der Weg der gesellschaftlichen Kooperation im Sinne der Gerechtigkeit. - Das leitende Ideal ist hier die Veredelung der menschlichen Gesellschaft.

3. Der Weg der ökologischen Gesundheit und Stimmigkeit. - Das leitende Ideal ist hier die Achtung vor der uns tragenden Natur und deren Veredelung.

Die drei Wege und Ideale ergänzen und verbinden sich auf vielfältige Weise. Wirtschaft und Technik dürfen dabei keine bestimmende Rolle spielen. Sie müssen den leitenden Idealen dienen, sonst entstehen Disharmonie, Perversionen, Unglück und Leid.

Familientreffen

22. September 2018

Vergangenen Samstag vom Nachmittag bis weit in den Abend hinein fand auf dem Haldenhof über Sipplingen ein Familientreffen der Nachkommen Margrits, der verstorbenen Schwester Giselas, statt, zu dem Gisela und ich auch eingeladen waren. Zuerst saßen wir im lauschigen Gartenrestaurant bei Kaffee und Kuchen. Dabei wurden auch gelungene Fotos der ganzen Gruppe gemacht. Als es dunkelte, zogen wir in den für uns reservierten Raum im Inneren des Hauses.

Es gab viele gelungene Momente. - Karin Erdmute, die älteste Tochter Margrits, hat zum dritten oder vierten Mal wieder geheiratet und macht einen glücklichen Eindruck mit ihrem Klemens, einem qualifizierten promovierten Ingenieur, mit dem wir sehr fein ins Gespräch kamen. - Sonja, Karins jüngste Tochter, konnte ich über ihr Studium in Bern befragen. Sie will nun, nach vier Semestern, nach Konstanz wechseln. - Christoph, der jüngste Sohn Margrits, war bisher als ausgebildeter Sozialhelfer tätig. Er hat Ferien am Baikalsee gemacht und beabsichtigt, dorthin zusammen mit einer Ukrainerin auszuwandern und ein neues Leben zu beginnen. Er ist schon 47 und meint, das sei der letzte Augenblick für einen solchen Umbruch. Er hatte eine sehr lieben, ein wenig wolfigen japanischen Hund bei sich und strahlte lichtvolle Wärme aus.

Gisela, deren Wahrnehmung sich sehr verlangsamt hat, war von all den Begegnungen sehr erfüllt. So brachen wir nicht als erste auf und verließen zufrieden das Lokal. Der Garten und die Wege zum Parkplatz waren nur schwach beleuchtet. Auf der Treppe, die über wenige Tritte vom Garten zum Weg hinab führt, stürzte Gisela trotz ihrer zwei Stöcke ganz überraschend und zog mich, der ich sie auffangen wollte, mit in den Fall. Sie schrie laut, denn sie schlug mit dem Kopf hart auf. Ein Blumenstock am Rand der Treppe kippte um, so dass sich bräunliche Brühe über mein Giselchen ergoss. In der Dämmerung war sie nicht von Blut zu unterscheiden. Ich befürchtete Schlimmes, hatte zum Glück den Sturz ohne Blessuren überlebt und konnte nun mit helfen. Sofort eilte Personal herbei und rief mit unserem Einverständnis den Notarzt per Handy herbei.

Wir führten die Verunglückte vorsichtig ins Lokal zurück und betteten sie, durch dicke Kissen gepolstert, auf eine Bank. - Der Notarzt, begleitet von einer Helferin und einem Helfer, war bald zur Stelle; ein noch junger, sehr verständiger Mann, der nun Gisela untersuchte und ihr Testfragen stellte, um sich ein realistisches Bild zu machen. - Außer einer riesigen Beule am Kopf und schmerzenden Prellungen an mehreren Stellen konnte nichts Bedrohliches festgestellt werden. Auch das Abhorchen der Lunge verlief günstig. - So bekam mein Giselchen einen Eisbeutel zum Abschwellen auf die Beule und wurde vom Notarzt-Team und mir liebevoll zum Auto begleitet.

Zu unserer Erleichterung blieb ihr die Einlieferung ins Krankenhaus erspart. Ich konnte sie nach Hause fahren und ihr vorsichtig helfen, in die Wohnung und ins Bett zu gelangen. Die Beule auf dem Kopf bildet sich allmählich zurück. Die Prellungen verursachen immer noch Schmerzen, weshalb sie bislang ihre tägliche Gymnastik nicht fortsetzen kann.

Pentagon Freundestreffen in Lengnau

15. September 2018

Gestern Vormittag fuhr ich via Stockach, Singen und Blumberg Richtung Waldshut, zweigte jedoch vor Waldshut links ab und überquerte die Schweizer Grenze bei Zurzach. Von dort ging's über den Zurzacher Berg nach Tegerfelden und nach Lengnau zu den Gastgebern, Karl und Nelly Albiez, wo das diesjährige Treffen des Pentagon (übersprünglich waren es fünf, daher der Name) stattfand. Alle außer Gisela und Mariangela, der Partnerin Walter Boeschs, sind erschienen: Heinz und Josée Hirzel, Beat und Rös Grenacher, Walter und Marianne Huser. Walter Boesch und ich selbst.

Wir plauderten gemütlich und wurden mit einem sehr schmackhaften, mehrgängigen Mittagessen verwöhnt. Walter Boesch ist erfreulicherweise trotz einer Diskushernie mit Spitalaufenthalten und Operation gekommen. Walter Huser ist durch Arthrose im Genick und in der Wirbelsäule behindert, hält sich aber tapfer aufrecht. Sonst sind alle wohlauf (von meiner lieben Gisela abgesehen).

Nach dem opulenten Essen besuchten wir in Lengnau eine Ausstellung über zweierlei Insekten, über die Bienen einerseits und die Stabschrecken anderseits, beides sehr eindrücklich und fachkundig anhand lebender Tierchen vermittelt. Hinzu kamen großartige Fotos, die man mit 3D-Brillen betrachten konnte. - Das war ein ganz ungewöhnliches Erlebnis und weckte einhellige Begeisterung.

Dann musste Walter Boesch angesichts seines noch reduzierten Zustandes zurückfahren. Wir versammelten uns neu bei den Gastgebern, ehe auch Heinz und Josée wegen eines plötzlich angesagten Besuches nach Zurück zurückkehrten.

Die restlichen Teilnehmer fuhren anschließend zur Weindegustation beim führenden Winzer in Tegerfelden, einem der größten Weinanbaugebiete im Kanton Aargau. Kaum war die Degustation vorbei, wurden wir im Kleinbus zu den Rebbergen hochgefahren, wo uns der Junior-Chef besagter Winzerei und Kelterei für zahlreiche Fragen zur Verfügung stand und sehr kompetent antwortete. Er bestimmte auch mittels eines Messgeräts den Oechsle-Grad einer Traube: 95 Oechsle. Welche ein Sommer!

Zum Schluss gab's ein schmackhaftes Abendessen in der Kelterei und danach eine Führung durch den Senior-Chef zu den die Trauben verarbeitenden Apparaten und in den Keller zu den Weinfässern. Interessant. Was da alles mitspielt, bis der Wein aus der Flasche kredenzt werden kann, ist dem durchschnittlichen Weintrinker wohl kaum bekannt.

Es war berührend, die alten Freunde - alles liebenswürdige Menschen - wieder zu sehen. Seit 61 Jahren treffen wir uns. Das ist ungewöhnlich. - Danke Käre und Nelly für eure Gastfreundschaft! - Kurz nach elf am Abend war ich wieder zu Hause. Giselchen erwartete mich mit freudiger Ungeduld.

Klaus Schröters "Thomas Mann", Monografie bei Rowohlt

08. September 2018

Die fortschreitende Entwicklung Thomas Manns im Spiegel der kenntnisreichen Monografie Klaus Schröters zeigt, wie dieser bedeutende Schriftsteller sich immer mehr zu einem großen Menschen entwickelte. Vielleicht ist die Größe eines Menschen jeweilen erst das Ergebnis individueller Entwicklung, wobei dieselbe stets im zeitgeschichtlichen Kontext gesehen werden muss, im Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen (politischen, wirtschaftlichen und kulturellen) Verhältnisse.

Schröters Monografie ist bewegend. Überraschend für mich ist Thomas Manns historische Klarsicht. Er durchschaute, dass der Faschismus jenseits lästiger demokratischer Kontrolle dem Kapitalismus diente und dass die westliche Appeasement-Politik gegenüber Hitler und Mussolini, in diesem Licht gesehen, besser verständlich ist.

Klar geworden ist mir überdies das starke Verwurzeltsein Manns in der abendländischen und deutschen Kulturgeschichte, wie seine großen Werke zeigen. Er war ein typisches Kind seiner Epoche, die inzwischen untergegangen ist, eine der letzten großen Gestalten Europas im herkömmlichen Sinn dieses Wortes. - Ohne mich mit ihm vergleichen zu wollen, darf ich sagen, dass mein Menschsein sich in diesem Punkt von dem seinen fundamental unterscheidet. Ich verfüge zwar über weitgespannte kulturgeschichtliche Kenntnisse, doch ist die Vergangenheit für mich abgetan. Sie hat - von der noch jungen Menschenrechts- und Demokratiebewegung abgesehen - kein Zukunftspotenzial mehr. Sie hat große Werke hervorgebracht, die kaum noch aktuelle Bedeutung besitzen. Ein illustres Beispiel ist der Faust-Stoff, an dem noch der mittelalterliche Teufelsglaube klebt. Das Erkenntnisstreben bedarf des Faust-Pathos' nicht und auch nicht des Versuchungspathos' durch Mephisto. Erkennenwollen ist kein Adelsprädikat, sondern das ziemlich normale Bedürfnis der meisten, und dass dieses Streben durch politische und wirtschaftliche Interessen korrumpierbar ist, gehört ebenso zur Normalität. Der Preis, den Adrian Leverkühn (die Hauptfigur in Manns "Doktor Faustus") für seine Inspirationen zahlen muss, ist eine abartige Marotte Thomas Manns, die mich krankhaft anmutet und die für mich keinerlei Gültigkeit besitzt.

Noch etwas ist mir im Verlauf dieser wertvollen Lektüre deutlicher als je bewusst geworden: Ich bin kein deutscher Schriftsteller, obwohl die deutsche Sprache mein Medium ist. Ich bin auch kein Schweizer Schriftsteller, obwohl Schwitzerdütsch meine eigentliche Muttersprache ist. Ich bin heimatlos auf dieser Erde und am liebsten in Deutschland zu Gast. Aus mir spricht eine ganz andere Welt als die dieser verquälten Erde, eine freiere, schönere, erfüllendere. Das ist das Thema meiner Literatur. Wenn ich etwas zu geben habe, dann genau das. Ich werde einfach weitermachen, so gut es geht. Viel Zeit wird mir wohl nicht mehr bleiben. Sobald mein derzeit entstehender Roman vorliegen wird, werde ich auf ein Werk zurückblicken können, das sich gerundet hat. Was dann noch kommen mag, davon werde ich mich gern überraschen lassen.

Noch etwas: Die 1963 erschienenen zwei Bertelsmann-Bände "Diie großen Meister - Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts", ausgewählt von Rolf Hochhuth, haben mich wenig beeindruckt.

Heinz-Werner Kubitzas "Der Glaubenswahn"

27. Juli 2018

Habe in wenigen Tagen dieses Buch von Kubitza gelesen, eine entlarvende Kritik des Alten Testaments, die nichts zu wünschen übrig lässt. Insbesondere auch das verlogene Verhältnis des Christentums zu dieser makabren Schrift tritt dabei ans Licht.

Was hat Kubitza gemacht? Er hat sich einfach auf die fortgeschrittenen Forschungen auf dem Gebiet dieser Texte gestützt und die Geschichten des AT im Licht eines an den Menschenrechten geschulten Blicks betrachtet. Dann tritt die Wesensart des alttestamentlichen Gottes Jahwe und seiner Propheten ungeschminkt zu Tage. Das Positive daran ist: Diesen Gott und auch die ihm angedichteten Taten gibt es nicht. Er ist nur eine Ausgeburt pathologischer Fantasien seiner angeblichen Propheten. Wahrscheinlich handelt es sich bei den heute vorliegenden Schriften des AT um eine erst spät umredigierte Fassung ursprünglicherer Texte.

Der Glaubenswahn schließt sich kompetent an den Jesus-Wahn an. Den dritten Teil der Trilogie, den Dogmenwahn, werde ich mir später vornehmen. - Man sollte wahrlich nicht den Fehler machen, vom Text des AT auf die Juden zu schließen, von den Fundamentalisten abgesehen, die es aber in jeder Religion gibt. Wenn ich denke, was Menschen jüdischer Herkunft in der deutschsprachigen Kultur Großartiges geleistet haben, habe ich allen Grund, sie zu bewundern und in mein Herz zu schließen.

Frühe Getreideernte

15. Juli 2018

In diesem Jahr ist das Getreide um Wochen früher reif als sonst. Schon Anfang Juli hat der Rengohof die Gerste abgeerntet. Vor drei Tagen folgte der Weizen und heute vor meinen Augen der Roggen. Ich spazierte mit Gisela zum Roggenfeld, das zwischen den Gebäuden des Hauses Rengold und dem Wald liegt, schritt hinein und schaute mir die Strohballen näher an. Dann, während Giselchen in unsere Wohnung zurückkehrte, ging ich via Rengohof zur Siechenkapelle, von wo aus ich das Stoppelfeld des Weizens durchquerte, um das zum Wald hin liegende Haferfeld, das als einziges noch nicht abgeerntet ist, in Augenschein zu nehmen. Der Hafer ist ganz gelb. Er kann nicht mehr reifer werden und dürfte ebenfalls bald verschwinden. - Normalerweise ist der Höhepunkt des Sommers überschritten, wenn die Getreidefelder geentet sind. Tja, so schnell vergeht ein Jahr. Wie viele werde ich noch in dieser Existenzform verbringen?

Vor zehn Minuten hat ein kräftiger Regen eingesetzt. Er ist wie eine Erlösung nach der argen Trockenheit.

Andreas Roedders "Eine kurze Geschichte der Gegenwart"

06. Juli 2018

Andreas Roedders zeitgeschichtliches Werk resümiert in mehreren Kapiteln die verschiedenen Problemfelder der Gegenwart mit Rückblick auf Linien, die von der Vergangenheit her ins Heute führten. Es handelt sich um ein außergewöhnlich qualifiziertes, die Dinge auf den Punkt bringendes, abwägendes, Für und Wider der verschiedenen Entwicklungen möglichst unparteiisch herausstellendes Buch, für das ich dankbar bin.

Die digitale Revolution, die globalisierende Wirtschaft, die Umweltproblematik, Kultur und Bildung, soziale Probleme, die Rolle des Staates, Entstehung und Entwicklung der EU und Weltpolitik werden in eigenen Kapiteln herausgearbeitet, wobei auch mögliche künftige Entwicklungen erwogen werden. Der Autor zeigt nicht ohne Humor, dass es meistens anders gekommen ist, als negative oder positive "Propheten" geweissagt haben. - Und am Schluss fasst ein gekonntes Resümee das Ganze in knapper Form zusammen.

Überblickswerke

06. Juni 2018

Außer der Frühstücksliteratur mit Gisela habe ich in letzter Zeit Überblickswerke gelesen, so von Duden Klassiker der Weltliteratur und Wilhelm Gössmanns Deutsche Kulturgeschichte im Grundriss. Neu eingestiegen bin ich in Hermann Glasers Kleine Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. - Glaser ist genau das, was ich brauche und schätze. Er fängt mit dem Fin de siècle an und führt bis ins wiedervereinigte Deutschland. Im Gegensatz zu Gössmann, desen Buch mit seinem geringen Umfang inhaltlich zu dünn wirkt, bringt Glaser viele unglaublich interessante Quellen ins Spiel und verarbeitet sie gekonnt. Ich lese das Buch sehr sehr gern, weil ich schon immer ein Bedürfnis nach Überblick hatte. Das Werk ist mir auch wichtig im Hinblick auf meinen derzeit entstehenden Roman, denn die männliche Hauptfigur, Iwo Eigner, ist Kulturphilosoph und lässt entsprechendes Wissen in Gespräche einfließen.

Einkauf in Konstanz

30. Mai 2018

Heute fuhr ich mit dem Schiff ab Nussdorf über die Mittagszeit nach Konstanz, wo ich im Lokal direkt bei der Landestelle zu schnell und zu viel aß. Danach spazierte ich gemächlich durch die Altstadt zu Bachstein, wo ich erfolglos eine Trainingshose kaufen wollte. Bei C&A besorgte ich Unterwäsche, kehrte über das LAGO-Einkaufszentrum, ein schreckliches Gewühl von Geschäften, zurück und weilte längere Zeit im Park am See, direkt am Ufer mit Blick in die Ferne. Ich saß in der Nähe einer attraktiven jungen Frau mit Hornbrille, die konzentriert in ein Heft auf ihren Schenkeln schrieb. Was für eine Seltenheit: Ein Mensch, der von Hand schreibt und nicht tippt! Womit beschäftigte sie sich nur?

15.35 Uhr fuhr das Schiff zurück. Ein schöner Tag. Warm, aber nicht zu heiß. Und alle die Menschen ...

Seit gut einer Woche bewundern wir am Abendhimmel immer wieder die Venus, den Jupiter und den zunehmenden Mond. Der Westteil unserer Terrasse eigenet sich gut dafür.

Hesses "Demian"

21. April 2018

Kürzlich haben wir die Rowohl-Monografie von Hermann Hesse zu Ende gelesen. Er ist ein ganz eigener, sehr intim auf seine persönlichen psychischen Zustände bezogener Autor, dessen innere Probleme und Zerrissenheit zwar interessant, aber nicht ganz mein Fall sind.

Hesses Demian ist ein lesenswertes Werk, bei dem mir auffällt, wie sehr es dem Horizont der damaligen Zeit entspricht. Manches erscheint mir künstlich und erzwungen. Hesses Werk war seine Autotherapie und zugleich der anregende Ausdruck seines Suchens.

Bach, Wagner und der Ozean des Friedens

30. März 2018

Habe mit Gisela soeben die Einleitung zu Bachs Matthäus-Passion gehört. Auch wenn das entsprechende Evangelium eine fast ausschließlich erfundene Geschichte erzählt, so vermag dennoch diese Musik ihr eine ästhetische Erhabenheit zu verleihen, die an das Tiefste und Höchste im Menschen rührt. Wäre ich Komponist, so würde ich derartige Musik, wie es Bachs Orchestereinleitung vor dem Einsatz des Chores ist, als mindestens einstündige Sinfonie, nun aber in voller Wagnerscher Instrumentierung, gestalten, eine Sinfonie mit dem Titel Ozean des Friedens, voll von unendlich strömenden Melodien und Harmonien. Sie würde piano anfangen und dann zur Fülle des Orchesters anschwellen. Am Schluss würde sie wieder im Piano verschwinden. - Eine weitere Sinfonie dieser Art, aber mit anderer Stimmung, hieße Ozean der Glückseligkeit, eine andere Geheimnisse der Seele usw. - Es wäre vieles möglich, das noch nie gewagt wurde.

Schlager-Festival im Kursaal

25. März 2018

Gestern Abend besuchten Gisela und ich im hiesigen Kursaal das Schlagerfestival Ab in den Süden, bestritten von drei Frauen und drei Männern. Amüsant, witzig, für mich informativ, weil ich mich nie mit Schlagern beschäftigt habe. Das Publikum, bestehend aus mittleren bis älteren Semestern, begegnete seiner Jugend und ging begeistert mit. Verständlich. Schlager gehören zur populären Kulturlandschaft, die eben auch eine Art von Heimat ist.

Vor ein, zwei Monaten erlebten wir am selben Ort einen ebenfalls gelungenen Abend mit Solopartien aus berühmten Musicals. Damit ist unsere Neugier mit Richtung auf leichte musikalische Muse vorerst gestillt.

Ist das Lesen von Büchern bedroht?

15. März 2018

Heute Abend verfolgten wir im 3sat den Bericht über die Leipziger Buchmesse und deren Preisträger. - Dabei wurde die Tatsache angesprochen, dass immer weniger Menschen noch Bücher lesen, weil sie vor lauter Beanspruchung durch Internet und Smartphone keine Zeit mehr dafür haben und zum Teil das Lesen auch langweilig finden. - Die außengeleiteten Tingeltangel-Existenzen von heute werden die Sklaven von morgen sein.

Mit Gisela in Nussdorf am See

04. März 2018

Nach einer Kälteperiode mit Dauerfrost trat gestern die der Jahreszeit entsprechende Wende ein, und heute hatten wir einen milden, stillen, recht sonnigen Tag nach anfänglichem Nebel. So fuhr ich mit Gisela am Nachmittag nach Nussdorf, wo wir auf einer Bank am See den Anblick der Berge vom Glärnisch über den Säntis bis nach Österreich hinein genossen. Noch liegt dort viel Schnee. Anschließend spazierten wir zum Steg mit der Schiffsanlegestelle, schweiften mit den Augen übers Wasser hin und schauten den Möven, Enten und einem Schwan zu. - Wir waren fast die einzigen. Auf dem nahen Campingplatz stand noch kein einziger Wohnwagen. - Friedliche Stille, fast kein Wind. Da und dort trainierte ein Skiffer, auch Zweierboote ohne Steuermann waren zu sehen.

Hesses "Im Presselschen Gartenhaus"

02. Februar 2018

Hermann Hesses Erzählung Im Presselschen Gartenhaus ist eine gekonnte Hommage an die schwäbischen Dichter in Verbindung mit dem Tübinger Stift. Sie führt die jugendlichen Dichter Mörike und Waiblinger mit dem geistig erloschenen Hölderlin zusammen, und Hesse hätte das nicht so gut gekonnt, wenn er nicht selbst Schwabe gewesen wäre.

Stufenweg des Menschseins

31. Januar 2018

Eine Art von Stufenweg des Menschseins auf diesem Planeten lässt sich wie folgt beschreiben:

Die erste Stufe besteht darin, dass die Menschen sich ganz im Kampf und Gewühle um die von animalischen Interessen beherrschte Existenz aufreiben und so Erfüllung finden. - Es geht um das, was ich an verschiedenen Stellen die animalische Dreifaltigkeit genannt habe: Ernährung; Fortpflanzung und Aufzucht der Nachkommen; Schutz, Bekleidung, Behausung und Sicherheit, Beruf und Geldverdienen, Häusle bauen usw.

Die zweite Stufe wird erreicht, wenn wir vom gewöhnlichen Kampf und Gewühle des irdischen Alltags zurücktreten und uns nicht länger darin verlieren, sondern dieses Leben in künstlerisch-ästehetischer Form sehen und darstellen lernen. Auf keinem Gebiet ist diese Darstellung so subtil und umfassend wie auf dem der Literatur als Kunst (Belletristik). Auch Wissenschaft und Forschung, desgleichen Religionen und Ideologien entsprechen der zweiten Stufe, die ich seit meiner Jugend zu meiner Sache machte, wobei ich allerdings nicht ganz um das "Gewühle" herumkam, denn meine Lehre in einer Anwaltskanzlei gehörte hierher. - Der Beruf zuerst als Lehrer und danach als Dozent bildete einen Übergang von der ersten zur zweiten Stufe, weil er mit viel Alltagskram (Selbstverwaltung der Schule/Hochschule, Noten, Prüfungen) belastet war. - Erst gegen Ende meiner Dozententätigkeit konnte ich mich immer ausschließlicher der Schriftstellerei widmen. Meditatieren und das an letzte Fragen rührende Philosophieren bilden den Übergang zur dritten Stufe.

Auf der dritten Stufe schließlich wendet sich das Interesse über die Erscheinungsformen von Kunst, Wissenschaft und Religion hinaus dem spirituelle Wesen zu, dem es sich immer mehr hingibt. Diese Zukunftsperspektive, welche Kunst, Philosophie und Meditation einbezieht, habe ich stets vor Augen.

Werke Eduard von Keyserlings

30. Januar 2018

Eduard von Keyserlings Erzählung Schwüle Tage hat mich tief berührt, vor allem wegen der ungewöhnlich lebendigen Schilderung der Natur und der damaligen Welt des Adels auf seinen Landsitzen. Ohne dass viel passiert, nimmt einen das Atmosphärische der Erzählung gefangen. Es ist eine literarisch aufbewahrte untergegangene Welt, weshalb der Leser eine echte Zeitreise durchmacht.

Eduard von Keyserlings Roman Fürstinnen geht mir sehr nahe. Ich liebe seine Stimmungskunst, seine Naturschilderungen, und ich liebe es, dass seine Figuren ein luxuriöses Leben ohne akute materielle Sorgen führen können. Er komponiert das irgendwie schwebende Geschehen wie eine Sinfonie, wobei die einzelnen Personen wie Passagen von Soloinstrumenten im sinfonischen Weben auftauchen und wieder zurückgenommen werden. - Was mir bei Keyserling fehlt, ist das ganz Eigene, Kreative, Innovative der Personen, die mir wie Hohlräume vorkommen, welche durch Adel-Etikette und Fassadenspiele umkleidet sind. So kommen diese Menschen nie zum Eigenen, obwohl sie sich danach sehnen. - Um dieses Eigene aber geht es mir in meinen Erzählungen und Romanen.

Der Film "Metropolis" und Thea von Harbous Roman dazu

17. Januar 2018

In unseren letzten Ottersberger Jahren wurde in der Glocke in Bremen der berühmte Stummfilm-Klassiker Metropolis gezeigt, live begleitet von einem Jugendsinfonieorchester, das die Original-Musik von Huppertz parallel zum ablaufenden Film spielte. - Danach kaufte ich Thea von Harbous gleichnamigen Roman, auf dem das Drehbuch basiert. Thea von Harbou hat eine große Anzahl von Drehbüchern und Romanen verfasst. Das, was ich im Netz unter Wikipädia fand, reizte mich zur Beschäftigung mit dieser Autorin, obwohl sie dem NS positiv zugewandt war. Fast drängt sich der Vergleich mit Leni Riefenstahl auf.

Schon nach den ersten 70 Seiten des Romans Thea von Harbous war ich enttäuscht, und zwar aus folgenden Gründen: Vieles ist nicht klar vermittelt. Vor allem aber ist das Geschehen unglaubwürdig und mit kitschiger Mystik vermengt. Eine frappierend einfache und klotzige Art, Menschen zu bewegen und Dinge geschehen zu lassen, verhindert innere Teilnahme an den Abläufen.

Die montierende Technik, den Text zu gestalten, finde ich in Ordnung, zumals bei dem Thema. Aber auch hier fehlt das Fingerspitzengefühl. - Die mich überraschende Klotzigkeit dieser Frau scheint mir übrigens zu der biografischen Tatsache zu passen, dass sie später für den NS anfällig war.

Der Plot des Romans steckt voller nicht nachvollziehbarer Unwahrscheinlichkeiten. Er ist mit kitschiger, dem Alten und dem Neuen Testament entnommener Religiosität gespickt, oft unklar in Bezug auf die Abläufe und passt im übrigen in das expressionistische Weltschmerz- und Welterlösungspathos. - Thea von Harbou gehört zum selben Jahrgang wie Vicky Baum. Expressionismus in Metropolis und Neue Sachlichkeit in Menschen im Hotel.

Die Sprache von Harbous ist dermaßen überdreht, dass ein heutiger Mensch diesen Roman kaum genießen kann. Als Film dagegen wurde aus diesem Text ein expressionistisches Meisterwerk. Der Film verfügt eben genuin über die Mittel, die einem bloßen Text nicht zu Gebote stehen. - Fritz Lang, der Schöpfer des Films, hat in den Jahren der Entstehung desselben mit Thea von Harbou zusammengelebt, doch gingen die Wege der beiden danach auseinander.

Thomas Manns "Die Buddenbrooks"

12. Januar 2018

Mit der Lektüre der berühmten Buddenbrooks tat ich mir zuerst schwer. Das Buch ist zwar mit viel Detailwissen ausgestattet und naturalistisch gut geschrieben, aber es konnte mich vor allem auf den ersten hundert Seiten nicht fesseln. Es gibt zwar einen vorzüglichen Einblick in die entsetzlich spießigen, engen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts, doch ist es vom Menschlichen her wenig interessant. Der Autor stellt eine Menge Personen vor, die er detailreich beschreibt, nur kann man sich all den Kleinkram nicht merken, da man sich mit den einzelnen Personen nur zögernd verbinden kann. Es entsteht nicht jener Sog, der den Leser nicht mehr loslässt. Nur in dem Maße, als einen eine Person gefangen nimmt, interessieren auch deren Details.

Hinzu kommt, dass für einen heutigen Leser Manns Sprache einer vergangenen Zeit angehört. Die zahlreichen plattdeutschen Sprenkel und die kaum noch vertrauten Fachausdrücke, ebenso das reiche Arsenal veralteter französischer Wendungen, erschweren das Verständnis und behindern das Eintauchen, welches die Lektüre spannend macht.

Wie dem auch sei, Thomas Mann schreibt auf hohem handwerklichem Niveau und gliedert das Geschehen nicht nur in mehrere Kapitel, sondern innerhalb derselben in durchnummerierte Abschnitte. Das ist gut. Seine Sprache entfaltet sich gekonnt und wortreich. Allerding zieht die naturalistische Detailversessenheit mit ihren umständlichen Schilderungen das Lesen zu sehr in die Länge, worüber die Spannung verloren geht. - Dieser Autor verfügt über einen großen Reichtum an anschaulichen Charakterisierungen, doch häuft er zu viel davon auf, um eine Person oder einen Vorgang zu vermitteln, weshalb jene klare, sich einprägende Plastizität nicht entstehen will. Es ist wohl besser, Personen des Plots eher beiläufig im Verlauf eines Vorgangs, einer Konversation, eines Geschehens mit typischen Merkmalen zu versehen. Das bleibt beim Leser eher hängen als ein Schwall angehäufter Eigenschaften, wenn diese - für sich genommen - auch noch so trefflich formuliert sind. Die Sprache droht bei Mann immer wieder Selbstzweck zu werden, und das darf nicht sein, weil sie stets durchlässig für den auszusagenden Inhalt bleiben soll.

In den Buddenbrooks gibt es zahlreiche wirklich gefangennehmende Passagen, aber leider ebenso viele, die eher langweilen und kein echtes Interesse zu wecken vermögen. - Sehr gelungene Szenen sind die sich entwickelnde Zuneigung zwischen Toni und Moorten, ebenso Grünlichs aufdringliche Werbung um Antonie (Toni) und dann der Sturz Grünlichs in den Konkurs. Auch die hin und her wogende Auseinandersetzung Tonis mit ihrem Bruder Thomas vor ihrer zweiten Scheidung ist packend.

Die epische Breite kann durchaus oft das spannungsgeladene Vorwärtsdrängen ersetzen, wenn sie einem die Möglichkeit bietet, in klar gemalten Bildern zu schwelgen, ohne den Text als anstrengend zu empfinden. Es gibt solche Passagen in den Buddenbrooks, zum Beispiel Thomas Buddenbrooks Aufenthalt am Meer bei Travemünde kurz vor seinem Tod.

Das Büchergestell meiner Eltern und ein merkwürdiger Roman

05. Januar 2018

Vor gut einer Woche stieg eine Erinnerung in mir auf, die für mich als Literat interessant ist. - Ich muss 13 bis 14 Jahre alt gewesen sein und wohnte im Elternhaus an der Bahnhofstraße 68 in Wettingen/Aargau/Schweiz, und zwar im Parterre bei den Großeltern in jenem Zimmer, dessen Fenster über der Waschküche nach Osten hin an der von der Straße abgewandten Seite des Hauses liegt.

Meine Eltern und mein jüngerer Bruder belegten den ersten Stock. Im Wohnzimmer stand ein Büchergestell aus dunkel gebeiztem Eichenholz. Es enthielt unterschiedliche Literatur, so ethnologische Bücher über Afrika, Indonesien und den pazifischen Raum, ferner die große dreibändige Völkerkunde von Hugo von Bernatzik, einem Wiener Professor und Rassisten, der aber nicht Nazi war. Da war ferner ein dicker Band über das Geschlechtsleben von einem Dr. Kahn (nach meiner Erinnerung), das ich in der Pubertät las, auch Bücher über die Natur. Und weil die Eltern Mitglieder der Büchergilde Gutenberg waren, standen in den Regalen eine stattliche Anzahl Romane von Pearl Buck, Bromfield, Erich Maria Remarque und anderen. Ich las einen Roman von Pearl Buck, mehrere Romane von Remarque und freilich die berühmten Titel Die letzten Tage von Pompej, Ben Hur und Quo vadis? Übrigens gab es auch Bücher von John Knittel und Vicky Baum.

Aber, und damit komme ich zum Anlass dieser Eintragung: Da stand ein Roman mit alter Typografie. Ich erinnerte mich nur noch an den Titel: Die Frau ohne Liebe, wusste aber überhaupt nichts mehr über den Inhalt. Auch den Autor/die Autorin hatte ich vergessen. Doch eines wusste ich noch, dass ich im besagten Alter diesen Roman in einem Zug vom Abend bis zum frühen Morgen im Bett las, ein Vorgang, der sich so in meinem weiteren Leben nicht wiederholt hat.

Ich beschloss, im Internet zu recherchieren, fand den Roman (erschienen 1935 in Leipzig) und bestellte ihn. Heute ist er gekommen. Ich las das erste Kapitel und sah sofort, dass es sich um Trivialliteratur handelt, die mit einfachen Stereotypen arbeitet: Da ist die unglaublich schöne, alle Männer behexende Techter eines Industriebarons und ihre eifersüchtige Schwiegermutter etc.

Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dieses Buch gelesen zu haben, doch gibt es keinen zweiten Roman dieses Titels. Ich werde die Geschichte ein wenig überfliegen. - Meine Recherchen ergaben Folgendes:

Autorin: Aja (eigentlich Margarete) Berg. - Lebensdaten: geb. 1882 in Eberswalde, gest. 1941. - Werke: 57 Publikationen als Alleinautorin und zahlreiche weitere als Coautorin. - Aja Berg war auf Frauenromane spezialisiert, wie die Titel ihrer Werke nahelegen.

Was hat mich als Jungen bewogen, diesen Roman zu verschlingen? Vielleicht die stolze, alle Männer abweisende Einsamkeit der schönen jungen Frau. Ich will das irgendwann verfolgen.

Tja, meine Vergangenheit ist ein Mythos voller Geheimnisse. Was weiß ich schon über mich? Brauche ich mehr zu wissen? Jedenfalls tauchen inzwischen öfter Fetzen von Kindheitserinnerungen auf als früher.

Wer war diese Aja Berg mit ihrer unermüdlichen Produktivität? War das für sie ein erfüllendes Leben? Was konnte sie ihren LeserInnen geben? Vielleicht Träume von einem scheinbar bedeutungsvolleren Leben, als das eigene es war. - Eines hat die Trivialliteratur mit der anspruchsvollen Literatur gemeinsam: Sie bietet Inseln, auf denen sich mit der Fantasie leben lässt. Sie ist, obzwar trivial, dennoch ein Stück Kultur, von Menschen hervorgebracht.

Der alte Film "Himmel auf Erden"

02. Januar 2018

Eben haben wir den 1935 entstandenen Film Himmel auf Erden mit Heinz Rühmann, Hans Moser, Theo Lingen, Hermann Thimig und Adele Sandrock gesehen. Verwechslungskomödie als reine Unterhaltung um die verwirrende Entstehung eines Musicals. Ich mag diese Unterhaltung. Gerade weil sie den Alltag auf humorvolle Weise hinter sich lässt, ist sie wohltuend. Man mag sie kitschig nennen, doch spielen immerhin die versammelten deutschen Spitzenkomiker der damaligen Zeit.

Ich liebe leichte Unterhaltung, weil sie sich von der oft bitteren Realität des irdischen Daseins unterscheidet. Es sind kleine Kulturparadiese, welche auch die Unzulänglichkeiten und skurrilen Eigenarten der Menschen auf versöhnliche Art mit einbeziehen. - Wenn man bedenkt, dass im Entstehungsjahr dieses Films die Nürnberger Rassegesetze verkündet wurden ... Solche Filme waren für die Menschen Räume der Zuflucht vor einer Wirklichkeit, die sie ohnehin nicht ändern konnten. Ebenso boten Romane, Musik u.a. Zuflucht.

Die Kultur, auch die leichte Muse, ist die spezifisch menschliche Welt. Das übrige sollte überhaupt nur dazu da sein, die Kultur zu ermöglichen und zu tragen.

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